Beim Arbeiten an meinem Beitrag bin ich heute über diesen, etwas älteren, Blogbeitrag vom März 2020 gestolpert. Dort habe ich über das Händeschütteln oder eben das Wegfallen davon gesprochen und dass in Zukunft das "Wie" in Bezug auf Herzlichkeit und Gastfreundschaft noch wichtiger wird als das "Was".

http://www.emotioninwork.ch/blog/die-zeit-nach-dem-haendeschuettelnein-kurzer-input-die-hand-zu-reichen-ohne-uns-die-haende-zu-schuetteln?fbclid=IwAR2Ptsq02nYlDILWj86cqKAdJpslvKikQaUSoE60bVKdfyeMgJGBd77Yw3o

Händeschütteln ist immer noch nicht in unseren Alltag zurückgekehrt. Übrigens war das Händeschütteln schon bei den Urvölkern sehr wichtig. Denn beim Händeschütteln mit dem Blick in die Augen des Gegenübers konnten sie "erspüren", was deren Absicht war.

Jetzt ist zum Weglassen des Händeschüttelns noch dazu gekommen, dass man in vielen Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe nicht nur auf das Händeschütteln verzichten muss. Man muss an vielen Orten in der Schweiz auch die Gestik bis zur Nase vergessen. Sind wir doch ehrlich, mit der Maske macht die verbale Kommunikation einfach nicht gleich viel Spass wie ohne. Ein Gespräch lebt von Emotionen und sehr viele Emotionen werden auf die Körperhaltung und Gestik übertragen und sie leben auch davon. Die Maske zeigt uns an, wir sollen so wenig wie möglich sprechen (was übrigens die Schutzmassnahme Nummer eins im OP-Saal ist) und ohne zu sprechen komme wir oft einfach nicht in Kontakt mit unseren Mitmenschen.

Somit ist der Augenkontakt noch wichtiger geworden. Die Augen sind bald unser einziges Mittel zum Kommunizieren. Auch wenn ich dieses ganze Maskentragen absolut mühsam finde habe ich mir trotzdem überlegt, was es Gutes haben könnte, was wir uns bewusst machen können und wo wir die Stärken nutzen müssen.

Aufrichtigkeit ist in den Augen zu sehen, vielleicht. Aber sicher ist, dass ein Mensch, der einem anderen Menschen in die Augen schauen kann, ohne nach 2 Sekunden wieder wegzuschauen, sich getraut, einen kleinen Teil von sich zu offenbaren. Zu viel Augenkontakt kann aber auch aufdringlich wirken, wenn sich die andere Person dabei unwohl fühlt. Und wie sollen wir uns denn nun richtig verhalten? Nicht anschauen ist unhöflich und zu viel anschauen ist ebenfalls nicht gut. Wir sind die neue Situation mit anderen Umgangsformen noch nicht gewohnt und müssen deshalb neue nonverbale Kommunikations- und Höflichkeitsformen lernen.

Es gibt den etwas plumpen Spruch: Die Augen sind das Tor zur Seele. Er ist wahrscheinlich in der heutigen Zeit gar nicht mehr so plump und wahrer denn je. Eine intensive Abhandlung dazu würde Bücher füllen und ich bin ja kein Seelenexperte. Darum bleiben wir beim Wesentlichen.

Herzlichkeit lässt sich auch über die Augen weitergeben. Jetzt muss man sich einfach bewusst sein, dass es ausser der Körperhaltung fast ausschliesslich die Augen sind, die eine Aussage ermöglichen. Mit Masken erkennt man das "Gemüt" im Blick noch schneller als zuvor, da sich die Blicke nur noch darauf konzentrieren.

Doch bitte auf keinen Fall vergessen: Wenn wir unter einer Maske lächeln oder lachen, dann kommen die Augen mehr zum Strahlen als ohne. Wenn ich sauer bin, zeigen sie die Wut, ohne dass man den grossen "Lätsch" darunter erkennen kann.

Nehmen wir uns doch diese Zeit, sei es im Zug oder als maskierter Mitarbeiter, um an unserem Ausdruck und unserem Augenkontakt zu arbeiten. Die Herzlichkeit darf jetzt umso mehr strahlen, schliesslich braucht es gerade jetzt positive Emotionen. Der Mund-/Nasenschutz wird noch längere Zeit ein Symbol für die Pandemie bleiben und wir werden leider weiterhin jeden Tag mehrfach mit dem Thema konfrontiert. Geben wir zusammen Gegensteuer und lassen wir unsere Augen funkeln! So lassen sich die Herzen unserer Mitmenschen auch mit der Maske gewinnen. Wenn man früher dachte, mit den Augen flirtet man, so ist es heute vielleicht eines der übriggebliebenen Mittel, um Nähe und Vertrauen zu herzustellen. 


Fabienne Ballmer 
emotioninwork.ch

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